Dieser Weltartikel hat es in sich. Dazu noch die Kommentare, die von Herrenmenschen auf 2 Rädern sprechen, die sich nun zu verantworten hätten.
Und dann noch der Begriff “Kampfradler”.
Gerade Herr Ramsauer, der durch seine Rücknahme der StVO erst diese Situation geschaffen hat. Die Kommunen trauen sich nicht geltendes Recht umzusetzen durch diese Unsicherheit in der Rechtslage (zumindest sind das die Argumente der Verantwortlichen in Hattingen, die auf die “neue” Straßenverkehrsordnung warten und deshalb die Radwege nicht zurückbauen).
Dazu noch mangelhaft Aufklärung, schlechte und fehlerhafte Radverkehrsanlagengestaltung, die oftmals auch Radfahrer in diese Fallen tappen lassen.
Und dann noch alle schön in einen Topf schmeißen. Getötete Radfahrer durch Rechtsabbiegerunfälle können sich ja nicht mehr wehren. Häufen sich schwerwiegende Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern? Diesen Trend konnte ich bisher nicht beobachten. Radfahrer tun etwas Gutes, ihnen wird aber verkehrspolitisch kein Raum dazu gegeben. Also kein Wunder, dass Sie sich renitent dagegen wehren. Leider auch manchmal auf Kosten der schwächeren (schwächsten) Verkehrsteilnehmer.
Kontrollen helfen vielleicht ein wenig, aber wirklich helfen würde nur eine konsequente Umsetzung bekannter Maßnahmen:
1. Radfahrer gehören auf die Strasse, mit den gleichen Rechten und Pflichten aller Verkehrsteilnehmer
2. Das Fehlverhalten von Autofahrern gegenüber Radfahrern ist konsequent zu ahnden
3.Tempo 30 in Städten (das senkt die Todesrate bei Unfällen zwischen Fußgängern und Autos bei diesem Tempo auf 5%, was immer noch hoch ist)
Wenn Autofahrer respektieren, Fahrradfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen und es Kampagnen gibt, die dieses Recht deutlich machen, dann wird sich die Situation bestimmt ändern.
Na super … jetzt habe ich wieder Schaum vor’m Mund!
Das Ziel ist klar, nur der Weg dahin muss noch gefunden werden …
Deine Wut und Deinen Ärger kann ich verstehen …
Radfahrer “auf die Strasse” zu bringen ist seit eh und je das Credo von ADFC und anderen Aktivisten. Die Strategie ist aber ganz offensichtlich nicht von Erfolg gekrönt – wenn man Erfolg als einen deutlich erhöhten Anteil an Fahrten per Fahrrad (z. B. ab 25%) definiert.
Die einzige Möglichkeit ist ein fundamentales Umdenken im Bereich des städtischen Strassenbaus so wie er in den Niederlanden und in Dänemark in den letzten vierzig Jahren betrieben wird. Nur auf diese Weise wird sich der Anteil der Fahrradfahrer deutlich erhöhen (und damit übrigens auch der Anteil der Autofahrer, die auch Fahrrad fahren).
Alle Ansätze, die darauf bauen, mit Kampagnen und “Erziehung” irgendetwas ändern zu wollen, sind allenfalls als flankierende Massnahmen sinnvoll und bringen erwiesenermassen nicht den Durchbruch.
Mit Nullnummern in Entscheidungspositionen (wie Herrn Ramsauer) und ohne wirklichen Druck von den Verbänden wird dieses Umdenken allerdings noch auf sich warten lassen.
Gebe Hein Blöd zu 100 % recht. Und rechne damit, dass sich in absehbarer Zeit gar nix ändert. Also ist weiter Kampfradeln angesagt (manchmal komm ich mir echt vor wie im Nahkampf).
Ich stimme Hein Blöd auch zu. Natürlich sollten schnelle Radfahrer die Fahrbahn benutzen dürfen, das ist gar keine Frage, aber die Oma von nebenan wird z. B. auch weiterhin lieber den Radweg nutzen. Die Niederlande zeigen, wie man es richtig macht; im Blog von David Hembrow gibt es dazu bekanntlich zahlreiche Fotos und Videos. Aber sinnvolle Änderungen werden bei uns leider meistens mit dem Totschlagargument „Wer soll das bezahlen“ oder irgendeinem autolobbyistischen Blödsinn blockiert.
Nico
Meiner Meinung nach wird sich an der Situation erst dann wirklich etwas ändern, wenn unsere Gesellschaft nicht mehr so autofixiert sein wird.
Wenn Sprit so teuer wird, daß fast alle Autofahrer wieder auf das Fahrrad umsteigen und merken, wie unangenehm es manchmal ist, von Autos bedrängt zu werden.
Ich sehe da leider noch lange kein Land in Sicht.
Aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Die Benzinpreise steigen ja immer schneller.
Na, hier in Münster machen sie Radfahrer unglaubwürdig oder auch lächerlich, wenn sie sich allzuhart gegen PKW durchzusetzen versuchen. Leider ziehen einige wenige “unseren” Ruf durch den Dreck, in dem sie sich nicht an Regeln halten.
Es hängt im starken Maße am Interesse einer Stadtverwaltung und der politischen Ausschüsse ab, wie fahrradfreundlich sich eine Stadt oder Gemeinde gibt. Da ist es immer sinnvoll auf unsinnige Wegeführungen für Radfahrer/innen hinzuweisen, grade da, wo sie auch gefährlich werden. Die Entscheidung sich an Verkehrsregeln zu halten fällt immer der einzelne. Tut er/sie es nicht, reichen einige wenige, um das Bild der Kampfradler reichlich populistisch darzustellen. Andersherum: Benehmen wir uns regelkonform, wird nix problematisiert. Bei rot über die Ampel ist z.B. meist die Konsequenz zu kurzer gemeinsamer Fußgänger/Radfahrer-Ampelphasen. Auf der Straße fahren ist die Konsequenz schlecht gepflegter, zugeparkter Radwege. Für uns Radfahrer/innen und unsere Lobby ist es wichtig, bei Entscheidungsträgern die Einsicht zu erreichen, das wir nicht nur Freizeitverhalten zeigen, sondern als Radfahrer/innen einen umweltfreundlichen Trend zur individuellen innerurbanen Mobilität beschreiben. Unsere Infrasturktur ist günstig in Bau und Unterhaltung. Wir brauchen eine volle Integration in den fließenden Verkehr und nicht in seinen “Nebenräumen” .